Ein Lehrer, eine Schule und das Recht am eigenen Bild

Am 6. September 2019 musste sich das Verwaltungsgericht Koblenz mit einer Situation aus dem Schulalltag beschäftigen, in der es um das Recht am eigenen Bild im Schulalltag ging.

Ein Lehrer fühlte sich in seinen Persönlichkeitsrechten missachtet. Eine Fotografin hatte von zwei Klassen Fotos gemacht, auf denen auch der Lehrer zu sehen ist. Diese beiden Fotos wurden im Schuljahrbuch veröffentlicht. Genau an dieser Stelle sah der Lehrer seine Persönlichkeitsrechte missachtet. Dabei berief er sich auf § 22 des Kunsturhebergesetzes (KUG): „Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden…“

Das Verwaltungsgericht lehnte die Klage ab. Alle Lehrer waren über den Fototermin und über den Verwendungszweck der Fotos informiert. Beim Erzeugen der Fotos hätte der Lehrer die Chance gehabt, aus dem Bild zu treten. Hinzu kommt, so das VG Koblenz, dass in diesem Fall § 23 des KUG herangezogen werden kann: „(1) Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden:
1. Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte…“ Und genau diesen Ausnahmetatbestand sieht das Gericht erfüllt.

Stellt sich noch die Frage: Warum hat der Lehrer nicht auf Grundlage der DS-GVO geklagt? Seine Klage richtete sich ausschließlich gegen die Veröffentlichung von Fotos, auf denen seine Person gezeigt wurde. Er forderte den Rückruf aller verkauften Jahrbücher, das Unkenntlich machen seiner Person und das Schwärzen seines Namens in der Bildunterschrift. Die Veröffentlichung von Personenbildnissen wird im KUG geregelt und ist kein Problem der DS-GVO.

Was kann man für den Schulalltag aus dieser Situation ableiten?

  • Eine dokumentierte, also schriftliche, Einwilligung vermeidet Stress. Dabei ist es unerheblich, ob man sich auf das KUG berufen kann. Die DS-GVO spielt zumindest im Hintergrund immer mit.
  • Für konkrete Fototermine bedarf es einer konkreten Ankündigung. Diese sollte Anlass, Verwendungszweck und Publikationsform enthalten.
  • Ist ein Bild erst einmal publiziert, kann es unmöglich sein, es zu entfernen.

Multimedia im Kunstkraftwerk Leipzig

Auf dem Gelände der ehemaligen „Großen Leipziger Straßenbahn“ befindet sich seit 2014 das Kunstkraftwerk Leipzig. Kunst findet hier in den Hallen des ehemaligen Kraftwerkes statt. Beginnend mit seiner Gründung, versucht sich das Kunstkraftwerk als ein Ort für immersive Kunst zu etablieren.

Ich war am Mittwoch dieser Woche, gestern, in der Ausstellung. Immersive Kunst, also multimediale, begehbare Kunst, gibt es an verschiedenen Plätzen. Ich habe mir im vergangenen Jahr Visions alive in Berlin (Von Monet bis Kandinsky) angesehen.

Erst vor ein paar Wochen waren wir in Les Baux des Provence in der Ausstellung „Carrières de Lumières“, aktuell mit Arbeiten zu van Gogh und zu Japanischen Träumen. Carrières de Lumières ist im Vergleich zu Leipzig gigantisch. Die Räume sind einfach unübersehbar groß. Aber inhaltlich und technisch kann Leipzig mit beiden Ausstellungen locker mithalten.

In Leipzig hat mich „Bach Expirience“ besonders begeistert. Die Kombination aus Videoinstallation und Bachscher Musik ist absolut gelungen. Die Bilder passen sich toll in die Gebäudearchitektur der Maschinenhalle ein. Die 35 Minuten vergingen wie im Flug.

Mit gewaltigen Bildern und sehr passender Musik kamen die „Giganten der Renaissance“ daher. Der Beitrag eignet sich super, um abzutauchen in einen Strudel aus Bildern und Musik.

„Hundertwasser Expirience“ in der Maschinenhalle läuft zwar nur 10 Minuten. Aber hier scheint sich die Zeit zu dehnen. Mein Pech war, zur gleichen Zeit mit mir verweilte eine Gruppe Schnattergänse in der Halle. Das hat meine Freude etwas getrübt.

Zu den „Wunderwelten von Alice“ (im Wunderland) war ich dann glücklicherweise alleine in der Kesselhalle. Das war gleich ein ganz anderer Eindruck. Später kam eine Familie mit zwei Kindern dazu. Die Kinder tanzten zur Musik und in den Bildern. Das muss man gesehen haben. Also, wer da mal hin geht: Nehmt Euch Kinder mit, die sich trauen zu tanzen!

„Werk in Progress“ und „Wish you were here“ in der Kesselhalle setzen beide auf die Kombination aus hochwertiger Projektionstechnik und Nutzung der Gebäudestrukturen. Projektion, Realität und so entstehende Fiktion fließen zusammen. Mehrmals war ich mir nicht sicher, was real und was fiktiv ist.

Mein Fazit: Der Besuch lohnt sich. Die 11 Euro Eintritt sind gut angelegtes Geld. Ich habe mir umständlich einen Parkplatz in einer Seitenstraße der Saalfelder Straße gesucht. Hätte ich mir sparen können. Auf dem Gelände gibt es Stellplätze für PKW. Ich werden auf jeden Fall noch einmal die Ausstellung besuchen. Den Teil „Installierte Medienkunst“ habe ich nur noch schnell durchlaufen können. Als Besucher sollte man unbedingt Zeit mitbringen. Alleine der immersive Teil der Ausstellung hat eine Spieldauer von 115 Minuten. Hinzu kommen zweieinhalb Minuten Pause zwischen jedem Abschnitt. In der Maschinenhalle stehen Stühle und Bänke. Wer sich lieber lang machen will, kann hier Decken und Kissen auf dem Boden nutzen. In der Kasselhalle gab es gestern nur Stühle. Ich finde auch, man sollte seinen Platz immer wieder einmal wechseln. Die Sicht und die damit verbundenen Eindrücke ändern sich bemerkenswert.

„Schule kann mehr“ – Schule überdenken

Helmut Hochschild hat 40 Jahre im Schuldienst verbracht. Er ist Mathelehrer, war Schulleiter und Schulrat in Berlin und hat sich zuletzt als Seminardirektor um die Ausbildung von Referendaren gekümmert. Nun mach seit August er zusammen mit dem Journalisten Leon Stebe einen Podcast zu den Themen Schule, Bildung, Lernwelten.

Ich habe mich mal in den Podcast eingehört und finde das Konzept spannend. Die angesprochenen Themen sind nicht nur für Lehrende und Lernende interessant. Ich finde, über Bildung nachzudenken, kann nicht schaden.

Jugendliche, Influencer und E-Commerce

Das ist ja durchaus eine spannende Frage: Sind Influencer eine ernst zu nehmende Marketingstrategie?

Die Postbank ist genau dieser Frage jetzt in einer Studie nachgegangen. Die Resultate sind bemerkenswert. 53 Prozent der Zielgruppe hat schon Kaufentscheidungen getroffen, die auf Influencer-Empfehlungen basierten. YouTube steht als Socialmedia-Plattform dabei an erster Stelle, gefolgt von, wen wundert es, Instagram.

Die Frage nach der Wirksamkeit von Influencern kann also gut mit „Ja“ beantwortet werden. Das sollte doch auch mit Bildungsangeboten klappen?

Ausbildung Altenpflege – Gruppenarbeit

Ich habe heute Unterricht in einer sehr kleinen Klasse der Fachrichtung Altenpflege. Mir stehen vier Unterrichtseinheiten zur Verfügung. In diesen vier Unterrichtsstunden möchte ich meinen Schülern zeigen, welche Alternativen es zur Ergebnispräsentation mit PowerPoint gibt. Den Stoff binde ich in eine konkrete Gruppenarbeit ein.

Es gibt vielfältige Gründe, für die Präsentation von Gruppenarbeitsergebnissen nicht auf PowerPoint zu setzen: Zuerst einmal ist ein Vortragender erforderlich. Die Präsentation begleitet den Vortrag linear. Bei Rückfragen zu einem bereits dargestellten Inhalt, ist ein vergleichsweise aufwendiger Rücksprung erforderlich. Gibt der Vortrtagende die Präsentation als Datei oder als Ausdruck weiter, friert er den inhaltlichen Zustand ein. PowerPoint ist nicht unbedingt als universell verfügbar einzustufen.

Ich möchte meinen Schülern eine Möglichkeit vorstellen, die folgenden Überlegungen Rechnung trägt: Ein Vortragender wird nicht benötigt. Die Konsumenten entscheiden, wann sie welche Inhalte lesen. Dabei müssen aber alle Inhalte gelesen werden. Der Zugriff auf die Inhalte ist in einem geografisch abgegrenzten Raum möglich (Wohnbereich, Dienstzimmer, Korridor…). Am Ende wirdt ein Quiz zur Erfolgskontrolle absolviert.

Die Saison der Infektionskrankeiten steht in den Startlöchern. Also Habe ich mir das Thema „Handhygiene und Hautpflege“ ausgewählt. Die Schüler arbeiten in drei Gruppen: Notwendigkeit von Handhygiene, Hygienemaßnahmen umsetzen, Hautpflege.

Nachdem ich die Klasse in das Projekt eingeführt habe, die Gruppen gebildet sind und jede Gruppe ihr Thema gewählt hat, steigen wir in die Informationsrecherche ein. Dafür habe ich 25 Minuten eingeplant.

Nun stelle ich meinen Schülern Microsoft Sway als Online-Publikationsplattform vor. Die Benutzerführung ist simpel. Alle Änderungen werden sofort publiziert. Und das Ganze ist auch noch kostenlos. Für die Einführung in Sway habe ich 45 Minuten kalkuliert.

In 45 Minuten erstellen die Gruppen jetzt ihre Inhalte, bestehend aus Texten, Bildern und Videos.

Zum Abschluss zeige ich, wie die Sway-Seiten so publiziert werden können, dass darauf ein Zugriff erfolgen kann. Die kryptischen Webadressen, die Sway für die Seiten generiert, werden in QR-Codes verpackt. Für das Erzeugen von QR-Codes kann ein beliebiges kostenloses Online Tool verwendet werden. Diese QR-Codes bringen wir in der Schule an passenden Stellen an. Das Quiz für eine mögliche Erfolgskontrolle erstellen die Gruppen gemeinsam. Für das Quiz verwenden wir learningapps.org. Zuletzt testen wir alles. Dafür benötigen wir weitere 45 Minuten.

Alles gesagt – Der unendliche Podcast von Zeit Online und Zeit Magazin

Ich liebe diesen Podcast. Man hört sich in einen Beitrag rein und weiß nicht genau, was einen eigentlich erwartet. Christoph Amend, Chefredakteur des Zeit Magazins und Jochen Wegner, Chefredakteur von Zeit Online laden sich Gäste ein. Die bisherige Gästeliste kann sich sehen lassen: Robert Habeck, Nina Hoss, Katarina Barley, Tim Raue, Sophie Passmann, Rubin Ritter, Christian Lindner, Herbert Grönemeyer, Jana Hensel, Dorothee Bär, Uli Wickert (war zwei Mal da), Marco Börries, Julia Stoscheck, Jutta Allmendinger, Bas Last und aktuell Rezo.

Warum Uli Wickert zwei Mal da war, ist schnell erklärt. Jeder Gast wählt zu Beginn ein Codewort. Wird dieses gesagt, dann ist alles gesagt und die Aufzeichnung endet sofort. Uli Wickert hatte bei seinem ersten Besuch eine schlechte Wahl für sein Codewort. Zack, nach 12 Minuten war Schluss. Nach einem Hörervoting wurde er nochmals eingeladen.

Ich fand bisher fast alle Folgen super. Überrascht hat mich Dorothee Bär. Die war echt super. Nina Hoss fand ich sehr spannend und unerwartet. Grönemeyer hat meine Erwartungen voll erfüllt und der war echt witzig. Eine Entdeckung für mich war Jutta Allmendinger.

Beim Hören brauch man etwas Zeit. Rezo führt derzeit die Durchhalteliste mit 8:40 Stunden an. Den Beitrag habe ich noch nicht gehört. Platz 2 mit 6:08 Stunden belegt Jana Hensel. Da habe ich mich am Ende wirklich durchgequält. Aber da soll sich doch jeder sein Bild machen.

Also – Alles Gesagt, der unendliche Podcast. Der lohnt sich!

Cookies mal wieder

Am 1. Oktober 2019 hat der EuGH ein wichtiges Urteil zum Umgang mit Cookies auf Websites erlassen. Bisher gab es diesbezüglich ja ein ziemliches Rumgewurschtel, zumindest in Deutschland.

Was bestimmt das Urteil?

  1. Nicht zulässig sind Checkboxen, die bereits aktiviert wurden. Um Cookies zu verhindern, müssten diese Checkbox erst deaktiviert werden.
  2. Zu den Pflichtangaben zählen Informationen zur Funktion der Cookies, zu ihrer Lebensdauer und zu etwaigen Zugriffen Dritter auf diese. Diese Informationen sind den Betroffenen leicht zugänglich verfügbar zu machen.
  3. Ausgenommen davon sind technische Cookies. Als solche werden gemeinhin Cookies verstanden, die dem Login-Status dienen, die Sprachwahl speichern und den Warenkorb abbilden.

Da werden einige Websitebetreiber wohl schnell handeln müssen.

Wie weit geht der Auskunftsanspruch Betroffener?

Die DS-GVO stärkt Betroffenenrechte. Das haben wir besonders um den 25. Mai 2018 herum sehr oft gehört. Daran kann man zweifeln. Man kann das Thema abtun. Die Praxis jedoch bestätigt die Tatsache, dass Betroffene und ihre Rechte ernst genommen werden.

Am 26. Juli diesen Jahres musste sich das OLG Köln mit der Frage befassen, wie weit Betroffenenrechte denn nun genau gehen. Im konkreten Fall ging es um Telefonnotizen, die eine Versicherung zu einem Kunden angelegt hatte. Der Kunde wollte gemäß Art. 15 DS-GVO Auskunft über diese Telefonnotizen. Die Versicherung wollte die aber nicht Beauskunften.

In der Schnellfassung: Telefon- und Gesprächsnotizen fallen unter das Auskunftsrecht. Im Ergebnis sollte man sich also sehr gut überlegen, wozu man auch Bemerkungsfelder nutzt.

Point of No Return – Wende und Umbruch in der ostdeutschen Kunst

Das Museum der bildenden Künste Leipzig beherbergt sei einigen Tagen eine neue und, wie ich finde, sehr sehenswerte Ausstellung. Über 130 Werke von 60 Künstlern setzen sich mit dem Thema „Wende“ auseinander.

Als spannend empfand ich das Werk „Auswildern“ von Sighard Gille aus den Jahren 1990/1991. Es thematisiert die Frage nach dem Zurechtkommen mit Freiheiten.

Sighard Gille: Auswildern (1990-1991)

Für mich bleibt die Frage: Wie empfinden Menschen die Werke, die die Jahre vor, während und unmittelbar nach der Wende nicht bewusst erlebt haben? Ich werde wohl mal meine Kinder in die Ausstellung mitnehmen. Vielleicht bin ich dann schlauer.

Mit Telefonzellen beispielsweise kann man nur etwas verbinden, wenn man mal in einer drin gestanden hat, den Blechkasten benutzt hat und den Geruch erinnern kann.

Wolfgang Smy: Großes Stadtbad (1986)

Die Ausstellung regt zum Nachdenken an. Fragen nach Mauern im Denken kommen auf. Wie wirkt Agitation? Warum beschränkt man sein Denken? Warum lässt man Bewegungsunfreiheit zu? Da ist es mit einem Besuch nicht getan. Ich muss auf jeden Fall mindesten noch einmal in die Ausstellung. Zeit ist dafür noch bis 3. November 2019.

Bundestag lockert Datenschutzvorgaben?

In seiner Sitzung am 27. Juni 2019 nahm der Bundestag den Gesetzesentwurf zur Anpassung des Datenschutzrechts an. Mit diesem Gesetzesentwurf soll eine Vereinfachung für Vereine, klein- und mittelständische Unternehmen sowie für ärztliche und therapeutische Praxen geschaffen werden.

Ein Datenschutzbeauftragter ist nach dieser Neufassung erst zu bestellen, wenn 20 und mehr Personen regelmäßig mit der Verarbeitung personenbezogener Daten beschäftigt sind.

Na das klingt doch ganz nach einem großen Wurf. In der Realität ergeben sich aus meiner Sicht zwei bemerkenswerte Probleme. In die Ermittlung der Grenze von 20 Beschäftigten ist die Verarbeitung im Auftrag einzubeziehen. Worin aus meiner Erfahrung das viel größere Problem besteht: Eine rechtssichere Datenschutzdokumentation muss ja trotzdem erstellt werden. Das macht nun die verantwortliche Person selbst?

Ob es sich hierbei tatsächlich um eine Erleichterung für die Praxis handelt, bleibt abzuwarten.